YO LA TENGO – 26.08.2018, Sommer in Altona (Hamburg)

Es gibt sicherlich bessere Momente für ein Konzert als einen Sonntagabend nach einer wilden Hochzeitsfeier am Vortag. Doch wenn YO LA TENGO es bis nach Hamburg schaffen, darf man das selbstverständlich nicht verpassen. Das Trio aus New Jersey, das zwar schon seit mehr als 30 Jahren existiert, sich in Europa aber vergleichsweise rar macht, will sich niemand entgehen lassen, der seine musikalischen Wurzeln im Indierock verortet. In Hamburg war es für YO LA TENGO sogar eine Live-Premiere, und so sah man entsprechend viele bekannte Gesichter rund um das Zirkuszelt, in dem die drei Kritikerlieblinge Station machten. Ja, die Macher der „Sommer in Altona“-Reihe hatten sich nicht lumpen lassen und einige namhafte Künstler an die Elbe gelockt. Nicht allzu überraschend, dass auch dieses Konzert ausverkauft war.
Los ging es mit einem fünfminütigen Feedback auf der Gitarre. Puh, mein Kopf! Erst nach und nach ließen sich Songstrukturen erkennen, die schließlich in dem Stück „You are here“ mündeten, der zugleich auch als Opener von „There’s a riot going on“ dient, das im Frühjahr dieses Jahres erschien. Es folgten noch zahlreiche weitere Songs ihres aktuellen Albums, das entgegen dem Titel ungewöhnlich sanft und ruhig ausfiel und zu Hause perfekt dafür geeignet ist, die Gedanken schweifen zu lassen. Doch im Zirkuszelt wirkten die neuen Songs, trotz des ständigen Wechsels an den Instrumenten, eher einschläfernd, so dass bei mir eine bleierne Müdigkeit einsetzte. Gut möglich, dass dies auch dem gestrigen Abend geschuldet sein mag, doch die Reaktionen der übrigen Zuschauer ließen ebenfalls erkennen, dass die älteren Stücke besser ankamen.
Erst zum Ende des regulären Sets, als mit „Sugarcube“, „Tom Courtenay“ und „Blue line swinger“ noch drei Songs aus den Neunzigern zum Besten gegeben wurden, die das Konzert in einer wahren Wall of Sound enden ließen, wurde allen wieder klar, um welche Band es sich hier eigentlich handelte. Alt und vor allem ruhig sind YO LA TENGO schließlich noch immer nicht. Und das soll auch bitte noch lange so bleiben!

Bewertung:

Veröffentlichungsdatum: