Gregor Samsa über: Arbeit

Im Rahmen unseres Specials zum 20jährigen Sounds of Subterrania-Jubiläum hier unser fünfter Teil zum Thema „Arbeit“:

„Arbeit ist das Feuer der Gestaltung“ (Marx), „Ich vertraue den Menschen, mit denen ich zusammen arbeite. Ich delegiere.“ (Mario Draghi), „Arbeit ist Scheiße“ (APPD).

Zum Thema Arbeit gibt es die verschiedensten Ansichten, und wer ein Label wie Sounds of Subterrania betreibt und dabei in stundenlanger Handarbeit einzigartige Special Releases schafft, muss auch eine besondere Auffassung zum Schaffungsprozess haben. Dass die Arbeit nicht immer Spaß macht und mitunter gefährlich und schmerzhaft ist, könnt Ihr in unserem ersten Teil des Sound of Subterrania-Specials nachlesen, wo Gregor die Produktion der Holzschiebespiel-Version der MONSTERS beschreibt. „Gleichzeitig war die Arbeit aber auch sehr befreiend, weil man weiß, dass es so etwas nie wieder geben wird. Wenn eine Firma das kopieren müsste, würde es wegen des Aufwands das Zehnfache kosten. Oder sie würde es in China herstellen lassen, wo man die Leute dafür missbraucht. Für mich war es allerdings ein totales Glücksgefühl, weil wir in der Gruppe, die mir geholfen hat, etwas Besonderes geschaffen haben.“

Gregor geht es um die Gruppe, um die Gemeinschaft und das Dazulernen – weniger um das Erwirtschaften von Gewinnen, wo wir bereits beim Begriff „DIY“ wären, der im vierten Teil unseres Specials näher definiert wird.
„Ich arbeite ja meistens im Kollektiv und denke, dass die beste Organisationsform der Anarchosyndikalismus ist, das heißt eine freie Kooperation von verschiedenen Gruppen auf gleicher Augenhöhe. Dabei muss man sich auch mit dem Thema der Arbeit auseinandersetzen. Was bedeutet Arbeit? In der heutigen Zeit ist der Arbeitsbegriff sehr deformiert. Für die meisten Leute ist Arbeit etwas Schlechtes, und man arbeitet nur, um seinen Lohn zu verdienen. Arbeit wird nicht mehr als Sinnschöpfung wahrgenommen, weil es im kapitalistischen System nur um Gewinnmaximierung geht. Erst mit dem Geld kann man dann wieder etwas Sinnvolles machen, aber das Geld selbst ist nur eine Fiktion, vor allem in der Neuzeit, wo es digital nur noch als Zahl wahrgenommen wird. Der Schaffensprozess und die Kooperation mit anderen helfen aber dabei, dazuzulernen und zu verstehen, wie Kooperationen ablaufen können. Ich lerne aus Fehlern und welche Arbeit nötig und unnötig ist. Man muss nicht alles selbst machen und kann auch nicht alles wissen. Ich arbeite mit so vielen verschiedenen Materialien, mit denen ich mich nicht auskenne. Leute, die ihren Beruf darauf spezialisiert haben, haben ein ganz anderes Know-How. Der Schaffensprozess ist dabei für mich genauso wichtig wie das Produkt, die Platte, die am Ende dabei herauskommt.“
Seine Mithelfer findet Gregor dabei unter Freunden aus alten Zeiten, aber auch bei anderen Labels, die ihm zum Beispiel bei Grafiken helfen. „Da wäre Dominik von Noise Appeal Records, den ich sehr schätze. Oder Alex, der Pakete für mich annimmt, wenn ich nicht da bin.“

Und wie steht Gregor zur Idee des bedingungslosen Grundeinkommens?
„Ich bin dafür, weil viele Leute nicht mehr das machen würden, was sie nicht können. Nichts ist schlimmer, als mit Leuten zusammenzuarbeiten, die nicht arbeiten wollen. Man hätte nur noch Leute, die wirklich Bock auf ihre Arbeit hätten und wäre viel produktiver. Heute arbeiten viele nicht mehr aus Inspiration, sondern aus Angst, und dadurch werden sie krank. Allerdings werden kritische Fragen nach ungleichen Besitzverhältnissen damit zumindest vorübergehend kaschiert. Man könnte sich natürlich auch fragen, ob man mit Arbeit wirklich Geld verdienen muss oder ob man es nicht einfach verbrennt, um es aus dem Kreislauf zu entfernen und nicht mehr verfügbar zu haben.”