Reeperbahn-Festival 2008 (Hamburg)

Endlich war es wieder soweit. Ein Festival vor der Haustür, schlafen im eigenen Bett und dennoch Rock&Roll-Feeling. Was will man mehr? Gutes Wetter! Und auch das gab es in diesem Jahr. Flatstock 3 und Spielbudenplatz-Bühnen hatten es gut, ebenso die Indie-Reisegruppen zwischen Uebel und Gefährlich und Molotow.

Freitag, 26.09.2008
Man beeilt sich ständig, kommt nie zur Ruhe, und dennoch hat man eine Menge Spaß. Eigentlich komisch, aber das ist das Konzept hinter dem Reeperbahn Festival. Und eine riesige Enttäuschung wie PETER LICHT in der Großen Freiheit 36 wird innerhalb von fünf Gehminuten und den FOALS einfach weggewischt. Unglaubliche Live-Band und erstaunlich, dass sie trotz ihrer teils sperrigen Melodien ein so junges Publikum zum Tanzen bringen konnten. Zwischendurch noch schnell im Kaiserkeller bei SCAB vorbei geschaut. Leider nicht ganz voll, aber leider auch nicht ganz perfekt, auf CD ist der Gesang deutlich harmonischer…
Weiter quer durch die Gegend. THE TEENAGERS waren dran. Franzosen, die über eine englisch – amerikanische Liebesbeziehung singen. Großartig! Genauso war es auch. Strahlende Gesichter und 20 singenden Mädchen bei "Homecoming" auf der Bühne. Da kann nichts mehr schiefgehen. THE ASTEROIDS GALAXY TOUR im Knust besucht. Wenn Quentin Tarantino THE CARDIGANS bitten würde, einen seiner Filme zu vertonen, und der Produzent von AMY WINEHOUSE an den Reglern säße – so würde es klingen (und so sieht es auch aus). Sehr entspannte, vielseitige Band.

Samstag, 27.09.2008
Punkt 20 Uhr geht es los. Das Molotow ist schon wieder gut voll, und TALK RADIO TALK legen los. Man sieht sie immer wieder als Support in Hamburg, und die Erfahrung merkt man ihnen an. Das wird immer besser und unterhaltsamer. Wo soll das nur noch enden?
HERRENMAGAZIN stehen auf der riesigen Bühne im D-Club und schauen ein wenig drollig wie Zebramangusten drein. Aber scheinbar haben sie sich an große Bühnen gewöhnt und spielen ihr großartiges Album "Atzelgift" ein weniger rockiger, aber gewohnt lustig und als Anti-Helden. Welcher Rockstar schämt sich schon für seinen Bauch und wechselt das Hemd im Halbdunkel? Kontrastprogramm in der Hasenschaukel bei CEDARWELL, der hier mal wieder vorbeischaut. Das Publikum kennt und liebt ihn und es gibt Country mit Sing-A-Longs und viel Witz und Charme. Vollkommen anders: DISCO ENSEMBLE im Grünspan. Laut, prollig und viele hüpfende Kids.
Das eigentliche Highlight kommt aber erst jetzt: BLOOD RED SHOES. Die besseren WHITE STRIPES und eine sehr gute Live-Band. Tanzen und schwitzen, Kopfnicken und genießen. Die Zeit überbrücken bis zu NADA SURF. Ein Headliner, der keiner ist. Kaum Publikumsanimation, keine Überhits, denn sie haben die Altlast über Bord geworfen. Das ist Pop-Musik ohne zu nerven. Was nervt ist nur der D-Club. Die Fans wollen mehr, NADA SURF überziehen sieben Minuten, da fällt hinten der Vorhang, die Security macht sich bereit, die Menge aus dem Club zu treiben, wie Kühe in den Schlachthof. Ist schließlich noch HipHop-Party… Gott sei Dank gibt es noch das Molotow. Das wird heute kollektiv gerettet. Die Stimmung ist gut, ein schöner Tag.

2008 war mit Sicherheit das beste Reeperbahn-Festival bisher! Tolle Bands, entspannte Leute, für jeden was dabei. Und vor allem: Keine TOTEN HOSEN- und BÖHSE ONKELZ- Fans! Wie geil ist das denn? Ok, dafür genügend sonstige Idioten unterwegs, aber 15.000 Indie-Fans sind mehr und ein klein wenig besser!

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