MINUS THE BEAR – Nicht einfach, aber großartig!

Ein Münzwurf sollte heute darüber entscheiden, ob ich ins Molotow zu MINUS THE BEAR oder in die Astra-Stube zu den CULM-Brüdern von A.M. THAWN gehe. MINUS THE BEAR gewannen, und ich kann mich im Nachhinein auch nicht beschweren, zumal ich die Band zuvor noch nie live gesehen habe. Allerdings ließ Nils aus der Astra-Stube verlauten, dass THE A.M. THAWN ihren Stil mal wieder komplett verändert hätten und großartig gewesen seien, während Heike von "spiritual Emo" und "Indianerfriedhof "sprach. Schade, spannend gewesen wäre es sicherlich.
Aber kommen wir zu dem großartigen Konzert im Molotow. Eröffnet wurde von den nicht minder talentierten I WAS A CUB SCOUT, von denen ich allerdings leider nur das Ende des Sets vernahm, da sie superpünktlich anfingen und auch nur eine halbe Stunde lang auf der Bühne standen. Auch wenn die beiden Jungs aus Nottingham (denn sie waren wirklich jung!) nur zu zweit auf der Bühne standen – vor der Backline von MINUS THE BEAR und mit genügend eigenem elektronischen Equipment blieb den beiden Cub Scouts auch nicht viel Platz übrig. Musikalisch klang das ein wenig, als ob sich die GET UP KIDS am Shoegazing versuchen würden, besonders in Erinnerung blieb vor allem das virtuose Schlagzeugspiel William Bowermans. Schade, hätte ich gern mehr von gesehen.
Aber es warteten ja noch MINUS THE BEAR auf mich, die nach zwei EPs und einem Remix-Album mit "Planet of ice" kürzlich ihren dritten Longplayer vorlegten. Und damit mal wieder alle Musikjournalisten zu den höchsten Lobpreisungen zwangen. Was auf den Alben bereits durchscheint, wird auch live nicht anders umgesetzt: ein angenehm warmer Sound zwischen den Eckpfeilern Emo, Post-Punk, Indie, Prog und Anspruch. Logisch, denn wer in Bands wie BOTCH, KILLSADIE, SHARKS KEEP MOVING und THESE ARMS ARE SNAKES unterwegs war, kann einfach einen simplen O.C., California-Emopop machen, selbst wenn die Songs gleichermaßen eingängig sind. Lustigerweise kamen uns während des Konzertes neben KARATE, NO KNIFE und BURNING AIRLINES als Referenzen ständig auch völlig abwegige Vergleiche wie z. B. BUSH und PETER GABRIEL in den Sinn. Das soll hier aber keinesfalls als negative Kritik verstanden werden, sondern vielmehr die Einmaligkeit der fünf Recken aus Seattle ausdrücken. Denn wer sonst ist schon in der Lage, Elektro mit Pop und Rock zu kombinieren, das alles rhythmisch vertrackt und trotzdem äußerst nachvollziehbar und spannend zu gestalten und dem Ganzen heimlich auch noch ein szenetypisch verpöntes Gitarrensolo unterzumogeln, das aber keineswegs peinlich oder unpassend rüberkommt, sondern sich im Gesamtbild fast logisch einfügt? Die Jungs sind einfach wahnsinnig. Wahnsinnig gut. Allein der Schlusspunkt des neuen Albums und des Konzertes, das progrockige "Lotus", wusste sich nicht in die übrigen Songs und in unserer Begeisterung zu integrieren. Leider. Dennoch, mein Konzerthighlights des Jahres! Nur leider konnte man sich wegen fehlender CDs am Merch-Stand nicht mit dem Backkatalog der Band eindecken. Den bitte das nächste Mal nicht zu Hause liegen lassen!

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