LA DISPUTE – 05.07.2019, Astra (Berlin)

Die Fahrt von Hamburg nach Berlin sollte man nicht unterschätzen. Gerade am Freitag Nachmittag, gerade auf der A24, die momentan mehr Baustelle als freie Fahrt zu bieten hat. Wenn ein Konzert dann außerdem pünktlich um 19 Uhr beginnt, kann man um 20:45 bereits beide Vorbands verpasst haben. Das war in diesem Fall besonders ärgerlich, weil ein guter Freund mir seit Tagen davon vorschwärmte, wie großartig die PETROL GIRLS seien.
Das habe ich an diesem Abend leider nicht mehr herausfinden können, dafür kamen wir etwa zeitgleich mit dem Beginn von LA DISPUTE im Astra an. Bei einer Kapazität von etwa 1.500 Zuschauern war die Location zu gut drei Vierteln gefüllt, die Bühne selbst im schlichten Weiß verkleidet, mit ein paar Salzkristalllampen auf den Verstärkern. Los ging es mit den zwei verhältnismäßig ruhigen Openern ihres neuen Albums „Panorama“, gefolgt von einigen älteren Stücken, allen voran immer wieder Material von „Wildlife“, ihrem zweiten Album, das ihnen international den Durchbruch bescherte. Während Sänger Jordan Dreyer über die Bühne tobte wie ein Profisportler im Boxtraining und das Publikum textsicher alle Refrains mitsang, agierte der Rest der Band dezent im Hintergrund. Das passte gut zusammen mit den wenigen Lichtwechseln in der Bühnenbeleuchtung, erinnerte mich beinahe an Geoff Farina, der für KARATE zuletzt auch immer eine weiße Beleuchtung forderte, um zu sehen, was er auf der Gitarre greifen muss. Und wer genau zuhört, kann insbesondere bei den neuen Stücken ebenfalls ziemlich ausgefeilte Harmonien an den Gitarren erkennen, die teilweise mehr mit Jazz als mit Postcore zu tun haben.
Neben einigen politischen Statements (pro Humanismus, contra Trump) gab es am Ende des Konzertes von Dreyer noch eine Ansage, die ich im ähnlichen Wortklang auch schon mal von Dennis Lyxzen (REFUSED, THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY, …) gehört hatte: Lasst uns den Quatsch mit der eh eingeplanten Zugabe lassen – die hängen wir stattdessen gleich ans Set dran! So war dann auch mit „You and I in unison“ Schluss, und bevor jemand aus dem Publikum doch noch auf die Idee gekommen wäre, nach einer Zugabe zu verlangen, hatte der Tontechniker bereits in Nullkommanichts die Musik wieder hochgefahren und die Saalbeleuchtung angeknipst. Ein toller Auftritt war es ohnehin!

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