Kurz & schmerzlos (April – Juni 2019) – CD-Besprechungen in aller Kürze

Foto: Timo Neuscheler

(so) Abschied nehmen ist ja wirklich nicht so meins. Insbesondere dann nicht, wenn einem die Menschen, von denen man sich verabschieden muss, über die Jahre sehr ans und ins Herz gewachsen sind. Und da hilft es auch nicht, wenn die Menschen um einen herum immer wieder sagen, dass man doch damit rechnen musste und sich drauf einstellen konnte, denn so ist das doch schließlich als Lehrer, da gibt man eben alle paar Jahre seine Klasse ab und bekommt eine neue. Von außen betrachtet ist das sicherlich so, aber von innen heraus kann ich nur sagen, dass es auch ganz schön weh tun kann, wenn man diese “Chaoten” (O-Ton einer Mutter) ins Leben entlassen muss, denn man hat sie lieben gelernt. Mit meiner Klasse musste ich das gerade durchmachen, und es tat wirklich weh. Sechs Jahre sind eine lange Zeit, die zwischen 10 und 16 auch noch sehr prägende Jahre. Und natürlich kommt eine neue Klasse, aber sie wird niemals so toll sein wie diese, denn das war die weltbeste Klasse, so viel steht fest. So viel Stress, so viele Probleme, so viel Lachen, so viele Erfahrungen, so viele Fortschritte, so viele Entscheidungen, so viele großartige Entwicklungen, das wird es nicht nochmal geben. Denke ich jetzt. Und da bin ich mir ziemlich sicher. Ich freue mich langsam auf die neuen Fünfer, aber ich habe immer noch eine Träne im Auge. Was das Ganze mit Musik zu tun hat? Nun ja. Da hat man gerade den letzten Stapel an CDs abgearbeitet, da liegt auch schon der nächste da. Für manche ist man der Klassenlehrer und hat mehr Zeit, bei anderen springt man nur als Fachlehrer mal kurz rein. Wie bei unseren k&s, aber auch in der Kürze kann bekanntlich die Würze liegen. Mach’s gut, Lieblingsklasse!

ABEL TRIGÓ – “Brave new world” (Label: Optical / Kontor New Media, VÖ: 31.05.2019)
(jg) Diese Musik ist so ungewöhnlich, dass mir keine festen Schubladen einfallen wollen, wo man ABEL TRIGÓ zweifelsfrei einsortieren kann. Art Rock dürfte als Begriff sicherlich immer passen, ich höre auch ein wenig Prog, etwas Soul und ziemlich viel Pathos heraus. Als ob man QUEEN mit PRINCE, FRANK SINATRA, MOTORPSYCHO und PINK FLOYD kreuzen würde. Da überrascht es kaum, dass Abel alle Instrumente selbst eingespielt hat und außerdem für alle Gesangsstimmen verantwortlich zeichnet. Definitiv eine sehr eigene und spezielle Herangehensweise ans Musizieren. Ob man damit etwas anfangen kann, muss jeder für sich selbst entscheiden. (5)
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BEYOND BRIGHTNESS – “Into the brightness” (Label: Randomend Music, VÖ: 05.07.2019)
(bc) Humor haben BEYOND BRIGHTNESS auf jeden Fall schon mal, denn wo sich andere Metal-Bands beim Artwork gerne an martialischen Cover-Abbildungen von mittelalterlichen Schlachtfeldern abarbeiten, hat das Quintett aus Bayern einfach mal ein gerahmtes Gemälde mit einer entsprechenden Darstellung auf ihre CD gepackt, wodurch das Ganze wunderbar persifliert erscheint. Wobei man allerdings auch sagen muss, dass die Jungs keinen Metal im klassischen Sinne spielen, sondern ihren Grunz-Sound durch diverse Einflüsse wie Alternative, Pop oder gar HipHop aufmöbeln. Vor allem in den oft recht eingängigen Refrains liegt einem geradezu der Begriff Metalcore auf der Zunge, doch dafür klingt „Into the brightness“ insgesamt schon wieder zu unkonventionell. Muss man halt mögen. (4)
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BIG JOHN BATES – “Skinners cage” (Label: Rookie Records, VÖ: 12.04.2019)
(bc) Dieser Mann scheint unermüdlich zu sein. Keine Ahnung, das wievielte Album von BIG JOHN BATES dies hier inzwischen ist, doch der Kanadier mit der Gretsch-Gitarre liefert bereits seit über 30 Jahren kontinuierlich ab und ist inzwischen so etwas wie eine Institution in Sachen Blues-Punk, düsterem Americana und THE CRAMPS-infizierten Rock’n’Roll. Insofern hält auch „Skinners cage“ keine großen Überraschungen bereit, sondern bietet der BIG JOHN BATES-Fangemeinde einmal mehr genau das, was sie von ihrem Meister erwarten. Gut so. (7)
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BUELOW – “Von Pop-Poeten & Moneten” (Label: Tap Water Records, VÖ: 24.05.2019)
(so) Okay, das nervt mich schon nach der ersten Minute so sehr, dass ich’s am liebsten ausmachen würde. Dieses Roger-Cicero-mäßige Rumgepoppe macht mich einfach nur wahnsinnig. Leider wird es beim zweiten Song nicht besser, der sich ein wenig in Karibik-Gefilde zu verirren versucht. Versucht. Mit Song drei wird’s dann endgültig Mainstreampop mit Stadion-Potenzial. Das hat er ja auch schon abgerufen, der Herr BUELOW, indem er ELTON JOHN supportet hat. Dieses Album war bei mir definitiv falsch. Findet aber bestimmt seine Liebhaber. (2)
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BURNING ALMS – “Afternoon sass” (Label: Geenger Records, VÖ: 17.05.2019)
(so) Gut für nebenher geeignete Rockpopmusik, die ganz gut mit SUPERCHUNK vergleichbar ist. Unspektakulär, geht nicht auf die Nerven, aber auch nicht tiefer ins Herz, bleibt auf der Autobahn der Rockmusik und findet nicht die richtige Ausfahrt. Wirklich nicht schlecht gemacht und teilweise auch richtig mitreißend („Beast quotations“), aber es bleibt nichts über eine längere Zeit hängen. Kann man hören, muss man aber nicht. Hätte ich vor zwanzig Jahren wahrscheinlich gefeiert. (5)
https://www.facebook.com/BurningAlms/

CHAI KHAT – “Hail satin” (Label: Flat Field Records, VÖ: 01.03.2019)
(so) Tanzmusik. Und das ist absolut positiv besetzt gemeint. CHAI KHAT laden ein zum Tanze, wie es vor einigen Jahren BLOC PARTY verstanden haben. CHAI KHAT legen dabei Wert auf den etwas düstereren Anteil, etwas mehr Wave als Indie ist das, was „Hail satin“ bietet – und das gibt dem Album noch den Extrakick, den es braucht, um sich von anderen abzusetzen, sich selbstständig auf den Weg zu machen und Herzen zu erobern. Die Presseinfo fragt sich, ob man die Augen schließen oder tanzen soll. Ich sage: Warum nicht beides? Schwelgerisch-träumerisch mit geschlossenen Augen tanzen. Mit CHAI KHAT sollte euch das gelingen. Hier sind die schwebenden, flirrenden, perfekt-düsteren Hymnen, die ihr dafür braucht. (8)
https://www.facebook.com/chaikhatband/

CNJR – “WSTLND” (Label: Future Archive Recordings, VÖ: 07.06.2019)
(bc) Bereits das Artwork verspricht die Apokalypse. Und in der Tat ist die Musik, die CNJR auf diesem Tonträger abliefern, alles andere als positiv gestimmt. Stattdessen erwartet den geneigten Hörer ein düsterer, fast schon beklemmender Mix aus Dark Wave, Elektro und Synthie-Sounds. Stellenweise erinnert das Ganze fast schon an Filmmusik – ob für Katastrophen- oder Horrorfilme, bleibt der eigenen Phantasie überlassen. Fest steht hingegen, dass man diesem Album besser keine Rasierklinge beilegen sollte… (6)
http://www.facebook.com/CNJRmusic/

DANIELA SAVOLDI – “Ragnatele” (Label: Eigenregie, VÖ: 07.06.2019)
(jg) Wenn man heutzutage von Neo-Klassik oder Modern Classic spricht, wird dies meistens mit Künstlern wie MAX RICHTER, NILS FRAHM und GRANDBROTHERS gleichgesetzt. Soll heißen: sanfte, harmonische Pianostücke, ohne Ecken und Kanten, relativ simpel, aber nicht weniger einnehmend. Dass klassische Musik mit anderen Instrumenten in ein ganz ähnliches Konzept passt, zeigt uns die Cellistin DANIELA SAVOLDI. Auf ihrem zweiten Album steht das Cello mal alleine im Fokus, an anderer Stelle wird es mit Hall versehen, geloopt oder mit sonstigen Effektgeräten verfremdet. Dass dies nicht nur für eingefleischte Klassikfans und absolute Musiknerds gedacht ist und minimalistische Klänge genauso eine Wirkung erzielen können wie virtuose Kapriziositäten, unterstreicht „Ragnatele“ zweifelsohne. (6,5)
https://www.facebook.com/violoncela

DIE ANGST – “Verschimmelte Blumenwiesen” (Label: Moon Records, VÖ: 15.02.2019)
(so) „In dem Nebel ist es kalt“. So kann man auch die gesamte EP kurz zusammenfassen, die uns DIE ANGST in ihrem 15. Lebensjahr präsentiert. Geboten wird eine etwas punkigere, etwas dreckigere Version der FLIEHENDEN STÜRME, mit etwas mehr hochgerissenen Gitarren und einem etwas kratzigeren Gesang. Ansonsten aber unterscheidet DIE ANGST nur wenig von den Genannten. Das, was sie machen, machen sie gut, aber für mich klingen sie eben wie eine Coverband, die sich zum Ziel gesetzt hat, wie FLIEHENDE STÜRME zu klingen. Etwas mehr Eigenständigkeit wäre hier wünschenswert. (5)
https://www.facebook.com/produkt.der.amygdala/

ESCHENBACH – “Mein Stamm” (Label: Laute Helden, VÖ: 26.04.2019)
(so) Die Vergleiche, die in der Info gezogen werden, setzen die Messlatte ganz schön hoch. LIVING COLOUR oder gar die RED HOT CHILI PEPPERS werden hier genannt. Diese Höhe reißen ESCHENBACH recht eindeutig, auch wenn sie mit ihrer harten Gitarrenmusik zu deutschen Lyrics durchaus teilweise überzeugen können, gerade dann, wenn sie eher an IN EXTREMO erinnern, wie bei „Fahrstuhl zum Schafott.“ Für Freunde der harten Gangart zum Abschwitzen sicherlich mehr als brauchbar. (5)
https://www.facebook.com/ESCHENBACHband/

GO BY BROOKS – “Another flame” (Label: Finest Noise, VÖ: 22.02.2019)
(so) Melancholischer Rock. So wird, wie ich finde, ganz richtig die Musik von GO BY BROOKS in der Presseinfo beschrieben. Ein bisschen wie eine Aneinanderreihung von METALLICA-Balladen wirkt „Another flame“ auf mich, gemischt mit NIGHTWISH- oder EVANESCENCE-Anteilen, die insbesondere durch die prägnante Stimme von Laetitia Koener hervorgerufen werden. Ein gutes, etwas stilleres Rockalbum, das sich deutlich den Genrevorgaben anpasst und anzupassen versteht, mit dem, was es erreichen will, auch durchaus überzeugt. Aber nichts, was einen exponierten Platz auf dem Plattenregal rechtfertigen würde. (4,5)
https://www.facebook.com/GoByBrooks/

GOLD – “Why aren´t you laughing?” (Label: Artoffact Records, VÖ: 05.04.2019)
(bc) Ihrem Bandnamen zum Trotz liefern GOLD mit “Why aren’t you laughing?“ eine recht düstere Platte ab. Hier ein wenig Gothic, da ein wenig Heavy Rock, dort ein wenig Dark-Pop – und dazu diese Stimme von Sängerin Milena Eva, die keineswegs aufgesetzt klingt, sondern vielmehr durch ihre unaufgeregte Natürlichkeit so prägnant erscheint. Könnte für die eine oder andere Gänsehaut sorgen. (7)
http://de-de.facebook.com/thebandGOLD/

 

IDEOMOTOR – “In and out of time” (Label: Eigenregie, VÖ: 15.03.2019)
(so) Gelingt es CHAI KHAT, die perfekte Hymne zum Wegträumen zu schreiben, so geht diese Fähigkeit IDEOMOTOR im Vergleich doch merklich ab. „In and out of time“ spielt mit den Achtzigern, mit Synthies und Wave, aber irgendwie fehlt die Liebe, das Echte, das Besondere. Ein bisschen, wie man am dritten Tag nach Weihnachten langsam schon fast unlustig mit dem geschenkten Spielzeug spielt, weil man es eben muss. Wenn IDEOMOTOR allerdings in die EBM-Trickkiste greifen, wie sie es bei „Do it again“ tun, dann können sie auch wieder überzeugen wie an Heiligabend. Reicht aber nicht, um sich langfristig im Kinderzimmer festzusetzen. (5)
https://www.facebook.com/ideomotormusic/

KATHARINA BUSCH – “Neue Worte, neuer Wind” (Label: Dreamshelter Records, VÖ: 12.04.2019)
(so) KATHARINA BUSCH ist auf die deutsche Sprache umgestiegen – und das hat sie richtig gemacht. Überzeugende Lyrics treffen auf gut arrangierte Songs, zu denen ihre rauchige, teilweise sogar positiv brüchige Stimme herausragend passt. Sie erzählt Geschichten, denen man gerne zuhören mag, und auch, wenn sie das Genre nicht neu erfindet, zeigt sie genügend eigene Ideen und Abwechslungsreichtum, um interessant zu sein und zu bleiben. Diese EP lässt auf einen großen Wurf beim nächsten Album hoffen. Und warten. (7)
https://www.facebook.com/katharinabuschmusic/

KISSIN’ BLACK – “Dresscode: Black” (Label: Notte Nera Records, VÖ: 22.02.2019)
(so) KISSIN’ BLACK hat den richtigen Albumtitel gewählt: Hier wird Schwarz getragen, da gibt es keine zwei Meinungen. Irgendwo zwischen UMBRA ET IMAGO, IN THE NURSERY, NIGHTWISH und THE MISSION setzt sich der Italo-Schweizer in sein eigenes kleines Nest, das er mit viel schwarzer Spitze, düsteren Gitarren und Kerzenlicht ausstaffiert. Eine Essenz aus dem, was Gothic und die „schwarze Szene“ eben so ausmacht, das ist „Dresscode: Black“. Ob du nun Neofolker, EBMer, Medieval oder Gothicmetaller bist, hier wirst du glücklich werden. (6,5)
https://www.facebook.com/kissingblack/

LES COMPTES DE KORSAKOFF – “Nos amers” (Label: Label Puzzle, VÖ: 24.05.2019)
(jg) Irgendwie haben mich in diesem Quartal die abgefahrensten Formen von Musik getroffen. Dachte ich schon nach ABEL TRIGÓ (s.o.) und NICKOLAS MOHANNA (s.u.), dass es schräger nicht mehr geht, setzen die Franzosen hinter LES COMPTES DE KORSAKOFF dem Ganzen die Krone auf.
Zwischen Jazz, Death Metal, Klassik, Rock und Opernmusik strebt das Oktett an, musikalische Grenzen einzureißen und alles möglich zu machen. Musikalisch sind die acht Herren eh über jeden Zweifel erhaben, aber wer ihre wahnwitzigen Ideen nachvollziehen kann, bleibt abzuwarten. Potenzial steckt hier viel drin. Viel zu viel. (5)
https://www.facebook.com/lescomptesdekorsakoff

NICKOLAS MOHANNA – “Smoke” (Label: Aagoo / Rev. Lab; VÖ: 24.04.2019)
(jg) Ist das Kunst oder kann das weg? In diesem Fall verschwimmen die Grenzen zwischen Musik und Kunst tatsächlich. Der New Yorker Künstler und Komponist NICKOLAS MOHANNA hat auf seinem Album „Smoke“ Geräusche aus seiner Umgebung festgehalten, um elektronische Beats beziehungsweise Töne aus den verschiedensten Instrumenten ergänzt und daraus ein surreales Klangkunstwerk erschaffen. Manchmal sphärisch, oft verstörend, teilweise hypnotisch, nicht selten dissonant. Als Untermalung zu einem Film oder einer Ausstellung könnte ich mir diesen Soundtrack gut vorstellen, aber ob man dieses Werk tatsächlich zum Essen, als Hintergrundmusik oder zum aktiven Anhören auflegen möchte, wage ich zu bezweifeln. Wobei es ja auch Menschen geben soll, die zur Beruhigung Audio-CDs mit Walklängen auflegen. Und vielleicht erklärt ja auch der Titel „Smoke“ und die Heimat des Rev. Lab (Amsterdam) welchen Zweck diese CD sonst noch erfüllen könnte. (3)
https://nickolasmohanna.com

RANDALE – “Kinderkrachkiste” (Label: Sauerländer Audio, VÖ: 24.05.2019)
(bc) Wo sind eigentlich Kinder, wenn man mal welche braucht?! Hier sind jedenfalls keine, so dass ich nun das Vergnügen habe, die neue RANDALE-CD in Ohrenschein zu nehmen. Nun ja, was soll ich sagen – Musik, die extra für Kinder gemacht wurde, wobei Lieder wie „Bürgermeister“, „Kommando Ampel“ oder „Iron Möhren“ auch mal einem Erwachsenen ein kleines Lächeln übers Gesicht huschen lassen. Und seien wir doch mal ehrlich – im Endeffekt ist es doch besser, wenn die Gören diese Mischung aus Rock, Ska, Reggae, Rap und Pop abfeiern, als beispielsweise solche Kasper wie JUSTIN BIEBER. Insofern: Passt schon. (5)
http://de-de.facebook.com/Randale-Rockmusik-f%C3%BCr-Kinder-178182638888973/

SAD PLANETS – “Akron, Ohio” (Label: Teepee, VÖ: 19.04.2019)
(jg) Eine Band mit Leuten von u.a. GUIDED BY VOICES, THE BLACK KEYS und mit J Mascis von DINOSAUR JR. als Gastmusiker kann man zweifelsohne als eine Indie-Allstar-Band bezeichnen. Umso enttäuschender, was für ein langweiliges Resultat am Ende dabei herauskommt. Die SAD PLANETS klingen mit ihrer Mischung aus kraftloser Rockpopmusik, Folk, Grunge und Psychedelic Pop mehr nach Altherrenrock als nach dem jugendlichen, ungestümen Indierock, der ihren Vorgängerbands zurecht eine wichtige Rolle in der Musikgeschichte zuweist. Bei den SAD PLANETS hat man jedoch das Gefühl, das Fortschreiten der Zeit akustisch begleiten zu können. In den guten Momenten, wenn sie sich quasi in die Garage begeben und die Distortion anschmeißen, erinnern sie mich an die DIRTBOMBS (“Yesterday girls”, “Bad cells”). Doch der Großteil des Albums ist leider ziemlich einschläfernd. (3,5)
https://www.facebook.com/sadplanets

SARA SOMMERFELDT – “Herz aus Glas” (Label: Motor, VÖ: 17.05.2019)
(so) Ich weiß nicht, was ich bei dieser CD-Ausschüttung meinen Chefs angetan habe, dass ich es schon wieder mit einer seltsam chansonesken Platte zu tun bekomme, die doch einfach nicht mein Bereich ist. Zugegeben, SARA SOMMERFELDT macht das deutlich besser als BUELOW, und die Triphop-Einflüsse machen „Herz aus Glas“ auch deutlich interessanter. Auch ist ihre Stimme alles andere als langweilig oder eintönig, die Dame aus Berlin zeigt schon ihr ganzes Können, klingt wie eine junge Version von INA MÜLLER. Um mich umzuhauen, reicht es dennoch nicht, liegt aber auch an mir. (5,5)
https://www.facebook.com/SaraSommerfeldtOfficial/

THE WHISKEY HELL – “Bitchhiker” (Label: Keiler Records, VÖ: 10.05.2019)
(bc) “Trailer Park queen”, “Whorehouse love affair”, “Whiskey dick contest blues”, “Cocaine Cowboys”… Die Klischeekette, die THE WHISKEY HELL alleine schon mit ihren Songtiteln aufziehen, ist lang und wird von zusätzlicher Südstaaten-Symbolik und einem CD-Cover gekrönt, bei dem zumindest Alice Schwarzer ernsthaften Gesprächsbedarf anmelden würde. Dass die Band dabei gar nicht aus den USA, sondern aus Hamburg stammt und mit ihrem Country-Rock’n’Roll vermutlich auf eine Zielgruppe abzielt, die mit dem in den Texten angepriesenen Bad Ass-Lifestyle in der Realität herzlich wenig anzufangen weiß, verbuchen wir in diesem Fall einfach mal unter dem Stichwort “Folklore”. (3)
http://de-de.facebook.com/whiskeyhell

TWIN TEMPLE – “Bring you their signiture sound…” (Label: Rise Above, VÖ: 01.03.2019)
(bc) Selten stehen Artwork und Musik so sehr im Widerspruch wie im Fall von TWIN TEMPLE. Während das blutrünstige Cover jeder Black Metal-Band gut zu Gesicht stehen würde, überrascht das Duo aus Los Angeles mit zuckersüßem Doo-Wop-Sixties-Beat, den man eher in „Eis am Stiel“ als auf irgendeinem Horrorfilm-Soundtrack vermuten würde. Satanistisch wird’s hingegen erst in den Texten, in denen TWIN TEMPLE ihr Faible für das Böse ungeniert ausleben. Seltsam, aber so steht es geschrieben… (6,66)
http://de-de.facebook.com/twintempleforever/

WESTKUST – s/t (Label: Through Love Records, VÖ: 01.03.2019)
(bc) WESTKUST sind einst aus der Post-Hardcore-Band MARKTHAVERSKAN hervorgegangen, und zumindest dem eindringlichen Opener “Swebach” hört man diese Vergangenheit auch deutlich an. Im weiteren Verlauf des Albums geben sich die Schweden jedoch merklich ruhiger und konzentrieren sich eher auf Einflüsse aus Indierock, Shoegaze und Dream Pop. Spätestens ab “Daylight” verschmelzen dann sphärische Sounds, warme Melodien und vor allem die wundervolle Stimme von Sängerin Julia Bjernelind zu einem wahren kleinen Indie-Leckerbissen, von dem ihr unbedingt mal kosten solltet. (7)
http://de-de.facebook.com/Westkust/

Über Simon-Dominik Otte 767 Artikel
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