KRÄHE – s/t

Bei KRÄHE handelt es sich um die neue Band eines gewissen Stefan Krähe, der in den letzten Jahren wohl Frontmann einer Band namens SIX war und mit dieser u.a. zahlreiche Tonträger veröffentlicht sowie über 2.700 (!) Konzerte gespielt hat. Trotz dieser beeindruckenden Eckdaten muss ich gestehen, dass ich bislang noch nie von besagter Band gehört habe. Entsprechend unvoreingenommen habe ich versucht, an diese CD heranzugehen, doch bereits nach dem ersten Song hatten KRÄHE ihren Kredit bei mir leider schon aufgebraucht. Denn besagter Opener klingt ungefähr so, als wenn sich DIE TOTEN HOSEN plötzlich im Gothic-Rock versuchen, wobei alleine die Textkonstellation des Refrains ausreicht, um beim pathetischen Bullshit-Bingo mit Sicherheit den ersten Platz abzuräumen: „Ich brauche keinen Gott für mein Seelenheil / Ich strebe nicht nach einem Heiligenschein / Ich glaube an das Leben und nicht an den Tod / Mein Herz ist eine Bibel, Liebe meine Religion“ Die Frage, ob der Text ernst gemeint ist, oder ob KRÄHE hier augenzwinkernd versuchen, dem geneigten Hörer eine UNHEILIG-Persiflage unterzumogeln, erübrigt sich im weiteren Verlauf des Albums, denn mit „Mein Sohn“, „Im Strudel des Lebens“ und „Bis zum nächsten Mal“ haben sie noch weitere vergleichbare Pathos-Monster am Start. Und selbst wenn KRÄHE sich mal wie in „Keinen Bock“ klar gegen Rechts positionieren wollen, liefern sie genau jenem Personenkreis bereits eine Zeile später in Form von verkürzter Kapitalismuskritik neues Futter („Keinen Bock auf all die Bankster / die scheiß Finanzmarkt-Gangster“). Von Sätzen wie „Das ist meine Heimat / Ich atme sie ein / Ich trag sie immer bei mir / es ist schön, hier zu sein“ oder „Das Ziel ist erreicht / wir haben den Himmel berührt / Ehre wem Ehre gebührt“ mal ganz zu schweigen. Bevor ihr mich falsch versteht: KRÄHE sind aus meiner Sicht alles andere als eine rechtsoffene Band, sondern lediglich unbeholfen, was die Texte und deren Wirkungsgrad angeht. Denn leider gibt es gerade unter Deutschrock-Hörern viele schlichte Gemüter, die derartige Phrasen in ihrem persönlichen Sinne interpretieren und sich dadurch in ihrer kranken Weltsicht bestätigt fühlen. Traurig, aber wahr.

Bewertung: 2/10

Veröffentlichungsdatum: 25.05.2018