JONAS GOLDBAUM – Deutsch-Rock aus Österreich

Plötzlich kam mir ein unschuldig anmutendes Album ins Haus geflattert. JONAS GOLDBAUM stand auf dem Cover. Und schon nach dem ersten Hören, hatte das Album mich gepackt. "Unsere Welt braucht dich“ ist im Oktober bei Roadrunner erschienen. Und wie Indie und Metal-Label harmonieren, erklärt uns Sänger Arne im Interview.

[F] Was bedeutet für euch als Band der Name JONAS GOLDBAUM?
[A] Also, in der Anfangsphase der Band hat sich herausgestellt, dass die Namensfindung doch ein ziemlich schwieriger Prozess ist. Und mir ist dann etwas Lustiges passiert. Ich war Weihnachten 2003 bei meinem Bruder, und seine kleine Tochter, die Jona, hat die Kerzen am Christbaum angezündet und gesagt: „Das ist mein Goldbaum“. Und das hab ich im alkoholbedingten Weihnachtsgefühl so lustig gefunden, dass JONAS GOLDBAUM als Bandname bei uns durchgewunken wurde.

[F] Aber was glaubst du jetzt, was der Name aussagt und bedeutet?
[A] Für uns ist es unsere Band. Für viele Leute ist es eher ein Singer/ Songwriter, der da auf sie wartet, und es ist schon spannend, wenn man auf die Bühne geht als Band und die Leute eigentlich einen verschrobenen Typen mit seiner Gitarre erwarten. Das passiert öfter und macht ungeheuer Spaß.

[F] Und wie passt dieser Singer/ Songwriter, der eine Band ist und nach einen kleinen Mädchen an Weihnachten benannt wurde, zu Bands wie CALIBAN oder MACHINE HEAD?
[A] Um ehrlich zu sein, haben wir uns das auch eine Zeitlang gefragt. Roadrunner hat ja eigentlich bisher nur harte Bands released, und natürlich waren wir auch skeptisch, ob wir da reinpassen. Die Leute bei Roadrunner haben uns aber dann in vielen Gesprächen überzeugt, dass sie nicht nur was von harten Bands verstehen, sondern dass sie auch unsere Art der Dinge verstehen, und damit stehen uns die anderen Band auch nicht mehr im Weg.

[F] Normalerweise gehen ja Bands eines Labels immer mit anderen Bands des Labels auf Tour und so… Gibt es da bei euch auch Bestrebungen?
[A] Nein, das ist kein Thema, unsere Supports gehen da dann doch in andere Richtung, Gott sei Dank…

[F] Eigentlich seid ihr ja Österreicher, aber im Zusammenhang mit eurer Musik fällt dann doch mal das Wort „Deutsch-Rock“. Trifft euch sowas?
[A] Nein, überhaupt nicht. Es ist ja linguistisch gesehen korrekt, wir singen ja Deutsch. Auch in Österreich werden alle Bands, die Deutsch singen, nicht als Austro-Pop bezeichnet. Das ist eher ein Begriff der 80er Jahre für Künstler, die damals einen sehr hohen Stellenwert bei uns hatten. Und daher ist Deutsch-Rock schon okay.

[F] Wie kommt es eigentlich, dass du im Gespräch jetzt so einen deutlichen Akzent hast, auf Platte aber auch nicht anders klingst als Muttersprachler?
[A] Ich bin da ein Spezialfall. Ich bin in der Nähe von Italien aufgewachsen, meine Eltern kommen aber eher aus Nord-Österreich. Die reden eigentlich einen ganz anderen Dialekt als man im Süden spricht. Also bin ich schon so zu einem Mischmasch-Ding geworden. Dadurch hab ich dann relativ schnell die Fähigkeit entwickelt, mich auf meinen Gegenüber einzustellen. Auch bei uns in der Band komm ich mit dem Wiener und dem Ober-Österreicher so gut klar. Und sobald ich dann ein Mikrofon vor der Schnauze habe, rede ich meistens Hochdeutsch, damit mich jeder versteht.

[F] Wenn ich mir deine Texte so durchlese, gewinne ich den Eindruck, dass du schon sehr persönlich wirst und auch eine eindeutige Perspektive hast.
[A] Das stimmt, ich versuche es sehr persönlich zu halten, denn über was soll ich singen, wenn nicht über das, was ich selbst erlebe. Ich verarbeite dabei auch sehr gerne Dinge, und es tut mir gut, wenn der Text dann auch das aussagt, was ich empfinde. Außerdem möchte ich auch keine Statements über Politik und Gesellschaft abgeben, bei denen ich vielleicht nicht alle Informationen habe. Bei persönlichen Texten weiß ich, was ich sage.

[F] In Österreich gibt es „Unsere Welt braucht dich“ schon etwas länger. Wie waren dort die Resonanzen auf deine Texte?[/Q]
[A] Gottlob, ja, es gab durchaus positive Rückmeldungen dazu. Auch in Österreich redet man viel über deutsche Texte, also über die Peinlichkeit und solche Dinge, weil halt da alle so ein wenig negativ geprägt sind. Und da kam sehr oft das Feedback, dass das bei mir eben nicht der Fall ist, und das macht mich schon ziemlich stolz. Ich freue mich, dass man die Texte so auch würdigt.

[F] Wie ist es, wenn das vermeintlich alte Album jetzt in Deutschland noch mal in die zweite Welle geht und man das mit der Promo alles noch mal durchmacht?[/Q]
[A] Es ist sehr anstrengend und auch komplett anders. Natürlich war diese Promosache im Frühjahr auch schon in Österreich da, klar, aber ansonsten ist das eine ganz andere Größendimension, auch an der Mediendichte. Ein Woche am Stück auf Tour in Österreich? Das haben wir bisher in den vier Jahren einmal gemacht, ansonsten sind das immer so zwei Tagestrips, mehr nicht.

[F] Könnt ihr denn das jetzt mit euren richtigen Berufen vereinbaren, plötzlich auch mal länger am Stück auf Tour zu sein und vor allem auch weitere Reisen zu unternehmen?
[A] Gott sei Dank ist keiner von uns so weit gebunden, dass er das nicht könnte. Wir sind zwei Studenten und zwei Teilzeit-Angestellte, daher geht das schon klar.

[F] Und jetzt reden wir über Fußball.
[A] Ich wundere mich immer wieder, warum das hier in Deutschland immer Thema ist.

[F] Hey, nächstes Jahr ist EM bei euch!
[A] Ja, nur sind wir als Band zu drei Vierteln vollkommen uninteressiert, wenn es um Fußball geht. Und ich bin einer davon…

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