FUTURE FLUXUS
"Fickt die Katze und sagt yeah"
(it) Das Debüt-Album "Fuck the universe and say yeah" der Berliner Band FUTURE FLUXUS - meiner Meinung nach irgendwo zwischen Math-Rock und Prog-Rock anzusiedeln - erntete fast ausnahmslos Lob und gute Kritiken. Sänger und Gitarrist Thom beantwortete meine Fragen ausführlichst via E-mail. In diesem Interview gibt er Auskunft über musikalische Pläne, anregende Gedanken über das Web 2.0, seine Katze und vieles mehr.
Ihr müsst doch sehr zufrieden sein: In den meisten Reviews erhält euer Debüt-Album "Fuck the universe and say yeah" gute Kritiken, in Leser-Charts steht ihr überraschend weit oben und Ende März seid ihr als Vorband von GANG OF FOUR eingesprungen. Seid ihr selbst überrascht, wie gut euer Album aufgenommen wird?
Es freut uns natürlich sehr und gibt uns auch die nötige Bestätigung, dass sich die Mühe gelohnt hat. Wir wussten natürlich auch schon vorher, dass dieses Album etwas Besonderes ist. Aber ob die Leute das verstehen, beziehungsweise sich auch die nötige Zeit nehmen werden, FUTURE FLUXUS zu ergründen, war ja nicht vorsehbar. Es ist uns scheinbar gelungen, Elemente in die Musik eingebaut zu haben, die das Interesse zu mehr wecken, die auch im Popkontext auf Anhieb funktionieren.
Neben der außerordentlichen Unterstützung von einigen Seiten gibt es aber auch die totale Ignoranz einiger Magazine, denen man eigentlich zutrauen würde, sich auf alternative Musik aus der eigenen Region, die auch gut in den Kontext passen würde, einzulassen.
Am Ende ist aber wichtiger, ob uns die Hörer und nicht die Schreiber mögen. Und das lässt sich nicht so schnell herausfinden und belegen.
Eure musikalische Vergangenheit bzw. Gegenwart in Bands wie KATE MOSH, TER HAAR und ROBOTRON lässt nicht gerade einen derartigen musikalischen Wandel erahnen. Wie kam es zu dieser musikalischen Neuausrichtung in Richtung Math Rock?
Math-Rock hast Du jetzt gesagt. Ist nicht ganz unberechtigt, aber ich höre schon im inneren Ohr die aufgeregten Proteste eines Math-Rock-Szenejüngers, für den wir sicher nicht "real" genug sind. Grundsätzlich streben wir immer an, neue Zusammenhänge in der Musik zu schaffen, Felder zu beackern, die lange brach lagen, im besten Fall Land urbar zu machen, um bei dieser auf großen Krücken gehenden Analogie zu bleiben. Hoffentlich bauen wir dann kein Soja an. Mein Gott, die Welt ist komplex.
Euer Debüt-Album ist gespickt mit geheimnisvollen Botschaften. Auf dem originellen Klappcover tauchen beispielsweise die Zahlen 13 und Pi auf. Auch die tiefere Bedeutung eures Albumtitels "Fuck the universe and say yeah" ist mir bislang verborgen geblieben. Habt ihr uns eine Botschaft mitzuteilen?
Universe ist der Name meiner Katze.
Eure Homepage gefällt mir. Sie entspricht anscheinend eurem DIY-Konzept, wie man es auch an eurem Klappcover-Artwork sehen kann. Dagegen haltet ihr euch von Social Networks wie MySpace und Facebook fern. Warum?
Vielen Dank für das Lob. An unserer Homepage scheiden sich, wie auch an unserer Musik, die Geister. Sie entspricht nicht dem aktuellen Bild der Internetpräsenz einer aufstrebenden Band, womit sich einige schwer tun, andererseits erhält man auch auf Konzerten Anerkennung für die Verwendung freier Video-Codecs, auch wenn ich aus Zeitgründen zähneknirschenderweise kürzlich auf das Flashformat zurückgreifen musste. In gewissen Bereichen fällt die Seite also durchaus positiv aus, mir ist auch wichtig, dass sich mit den Konsequenzen der blinden Verwendung von proprietären Audio- und Video-Codecs auseinandergesetzt wird. Das Umgehen mit dem Internet ist auch im Jahre 2011 noch ungewohnt. Aber das kommt schon noch, Anfang der Neunziger waren ja auch die meisten Hardcore-, Punk- und Alternative-Typen noch gewissensfrei im Mc Donald´s.
Im Internet passieren eine Menge spannende Dinge, aber viele interessante und erfolgreiche Ideen werden vom großen Maul des Corporate Internet geschluckt, technisch häufig aufgepeppt, dafür aber mit einer Vielzahl versteckter Fallen versehen. Das ist wohl der Lauf der Dinge im kapitalistischen System, aber ich plädiere für eine Gegenöffentlichkeit im Netz, welche Vorgänge der totalen Datenakkumulation und zu befürchtender Manipulation aufdeckt und darüber informiert. Das Tolle daran ist, dass es geradezu die Möglichkeit gäbe, jetzt Teil einer Jugendbewegung zu sein und das Feld nicht den Experten zu überlassen. Mit kleinen Dingen kann man viel bewegen, zum Beispiel Ixquick statt Google als Suchmaschine benutzen. Die speichern die Suchanfragen und sonstiges Brimborium nicht, und ich verspreche euch keinerlei Beeinträchtigung bei der Internetnutzung.
Wer denkt, dass es im Internet alles umsonst gibt, hat sich geschnitten, die Währung ist nur in sekundärer Hinsicht Geld, sondern Information, über dessen Wert man sich noch gar nicht ganz im Klaren ist. Viele dieser Vorgänge würde man aus gutem Grunde in der dinglichen, analogen Welt nicht mitmachen, da man hier schon gelernt hat, die Ohren in gewissen Situationen aufzustellen.
FUGAZI bei Myspace, das dem erzkonservativen Rupert Murdoch und seiner frevlerischen News Corporation gehört, passt für mich einfach nicht zusammen. Beim Thema Myspace ändert sich allerdings seit unserer Entscheidung vor anderthalb Jahren, dort nicht mitzumachen, in der atemberaubenden Geschwindigkeit des Netzes so viel, dass man das durchaus im Auge behalten sollte. Da sie sich momentan selbst auffressen und der Konkurrenz von Facebook nichts entgegenzusetzen haben, ist das für Investoren bald nicht mehr so renditeversprechend. Dann könnte es schon wieder ein Ort für Gegenkultur werden. Könnte.
Spielt ihr dieses Jahr auf irgendwelchen Festivals?
Auf dem L*abore-Festival, das vom Musikverein Borwaerk veranstaltet wird. Die kümmern sich wirklich rührend darum, auch Musik abseits etablierter Größe stattfinden zu lassen und das seit vielen Jahren.
Ansonsten hatten wir noch kein Glück, ist nicht so einfach, wenn man selber bucht.
Habt ihr euch bzgl. FUTURE FLUXUS bestimmte Ziele für die nähere Zukunft gesetzt, oder lasst ihr sie auf euch zukommen und guckt was passiert?
Es soll demnächst eine Reihe von Videos zu unseren Songs geben. Das reicht von professioneller Produktion bis zu Ich-nehm-mal-die-Kamera-mit-in-die-Straße-und-sehe-was-passiert.de, die wir nach und nach über unsere Seite veröffentlichen werden. Hab ich an dieser Stelle schon erwähnt, dass sich ein Abonnement unseres Newsletters lohnt?
Neue Songs werden natürlich immer gebaut, und ich freue mich schon sehr auf die Ergebnisse, die hoffentlich einigen FUTURE FLUXUS-Fans im positiven Sinne genauso auf die Zähne beißen lassen, wie "Fuck the universe and say yeah!" es bei einigen KATE HAAROTRON 6-Hörern getan hat.
Wir werden nach wie vor versuchen, so viel wie möglich live zu spielen, denn da liegt unserer Meinung nach das Salz in der Suppe einer Irgendwie-Indierockband, die die Welt erobern will, nicht in den Versprechungen der digitalen Sphäre. Aber vielleicht ist das auch ein Holzweg, wie die in deiner Frage erwähnten Ziele, die man auf sich zukommen läßt, wie ich es damals gemeinsam mit meinem besten Kumpel beim Hundertmetersprint im Sportunterricht von der Startlinie aus durch lässige Suggestion versucht habe. Die von Lehrern neuzeitlich rationaler Prägung nicht zu erwartende Konsequenz: Sachen anziehen, Ungenügend für die Zensur im betreffenden Schulquartal. Ob uns das in Bezug auf das Ansehen und bei den Mädchen trotzdem Punkte gegeben hat, kann ich nicht beurteilen, die Zensur war auf jeden Fall sowas von egal. Also machen wir mit FUTURE FLUXUS erstmal einfach weiter, der Grad der durch Pläne versuchten Beeinflussung der Erreichung von Zielen hält sich sowieso in Grenzen, wie wir es auch in unserm Lied "The plan" beschrieben haben.
Seht ihr, soweit ihr noch in anderen Bands aktiv seid, FUTURE FLUXUS als Nebenprojekt oder Hauptband? Hat eine Band für euch Vorrang? Oder stellt man sich solche Fragen gar
nicht und versucht einfaches, beides zu koordinieren?
Für Falko und mich ist FUTURE FLUXUS momentan sicher die Hauptband, Andi und Hannes haben ja mit ROBOTRON und TER HAAR auch noch ganz heiße Eisen im Feuer. Ich arbeite gerade auch an dem Projekt JEANJACQUES & KLINKR, von dem man hoffentlich demnächst auch einiges hören wird. Das Konfliktpotential ist uns allen bewusst, aber mit guter Koordination stellt sich die Prioritätenfrage, wie von dir erwähnt, nicht. Manche Sachen dauern vielleicht etwas länger, aber wir wollen auch gemeinsam lange miteinander Musik machen.
www.futurefluxus.de
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