FRUSTKILLER – 20 Jahre und kein Ende in Sicht

Als Band 20 Jahre lang fernab des großen Rampenlichts sein eigenes Ding durchziehen, ist heutzutage längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Viel zu viele Formationen lösen sich nach wenigen Jahren auf; entweder weil der erhoffte Erfolg ausbleibt, weil es zu bandinternen Verwerfungen kommt, oder weil sich schlicht und ergreifend die Prioritäten bei den beteiligten Personen verschieben. Die 1996 gegründete Punkrock-Band FRUSTKILLER ist somit eine löbliche Ausnahme und hat zudem vor kurzem ihr drittes Album „Treibgut“ veröffentlicht. Nur zwei von vielen Gründen, Sänger Marcel zum Interview zu bitten! Los geht´s…

Vor über 20 Jahren habt ihr die Band FRUSTKILLER gegründet. Lasst unsere Leser bitte an einer kleinen Rückblende ins Jahr 1996 teilhaben – was war eure Motivation, eine Punkband zu gründen, was waren damals eure „Ziele“ mit der Band etc…

Wir haben allesamt schon lange vor FRUSTKILLER in verschiedenen Bands gespielt, Raffael, Tobi und unser erster Trommler Stefan sogar gemeinsam in einer Metalband namens BAHAYA. Wir sind schon ewig miteinander befreundet und kommen auch alle aus der gleichen Gegend. Bei einer gemeinsamen Feier haben wir dann ganz klassisch in einer Bierlaune beschlossen, zusammen Musik zu machen. Unser gemeinsamer musikalischer Nenner war und ist Punkrock, so war schnell klar, in welche Richtung das Ganze ging. Unbedarft und voller Übermut ging’s dann recht schnell ans Werk. Die wilde und schöne Zeit mit FRUSTKILLER begann im Sommer 1996.

Gab es in all den Jahren eigentlich irgendwelche personellen Umbesetzungen bei FRUSTKILLER, oder seid ihr immer noch in Originalbesetzung unterwegs?
Begonnen haben wir mit FRUSTKILLER 1996 als klassisches Trio: Raffael, Stefan und Marcel. Stefan stieg dann kurz vor dem Album „Die Bagger kommen…“ aus, Tobi stieg für ihn ein, und in dieser Konstellation haben wir dann unser erstes Album eingespielt. Matten ist seit 2000 dabei, er spielte damals schon lange bei RASTAPOPOULOS und bis heute nebenher noch bei KONFUZ. In dieser Konstellation besteht FRUSTKILLER bis zum heutigen Tag.

Es gibt heutzutage relativ wenige Bands, die über ein ausreichendes Durchhaltevermögen verfügen, um zwei Jahrzehnte lang scheinbar unbeirrt ihr Ding durchzuziehen. Viele lösen sich bereits nach wenigen Jahren wieder auf, woraufhin die Bandmitglieder nach einiger Zeit entweder in Form anderer Projekte einen Neustart wagen oder auch ganz von der Bildfläche verschwinden. Worin liegt eurer Meinung nach das Geheimnis eures langen Atems?
Ich denke, das können wir relativ einfach begründen. Wir sind allesamt gute Freunde und respektieren einander. Die Liebe zur Musik ist ein weiterer wichtiger Faktor, nebenher spielen drei von uns auch noch in anderen Bands. Ich finde, das sind generell die wichtigsten Eigenschaften, um in einer Band zu spielen. Wir haben einfach angefangen, Musik zu machen, auf die wir Lust hatten. Ohne darüber nachzudenken, was gerade „in“ ist oder was uns eine gute Zuhörerschaft bringen könnte. Insbesondere das Thema „deutschsprachiger Gesang“ war uns in vielen Situationen eher ein Hindernis, weil einige damit negative Bands und Stilrichtungen verbanden. Uns war es aber, ehrlich gesagt, schlussendlich egal, was andere Personen, Labels oder Fanzines davon hielten und halten, wie wir unsere Musik machen und definieren. Und das ist es bis zum heutigen Tag. Wir machen es so, weil wir Bock drauf haben. Sicherlich gab es auch einige Durststrecken, in denen es nicht lief oder in denen man sich gegenseitig auf die Nerven ging. Aber das unterscheidet ein Bandprojekt von einer Band. Wir staunen manchmal selbst, wie lang das schon gut geht. Erst letztes Jahr haben wir richtig realisiert, dass es schon 20 Jahre sind. In einer guten Beziehung merkste halt nicht, wie lange sie schon existiert. Und in vier Jahren ist dann Silberhochzeit.

Obwohl ihr Punkrock mit deutschen Texten macht, ist euer Sound nicht ganz einfach zu greifen. Für typischen Deutschpunk seid ihr zu hart und metallisch, für Hardcorepunk zu melodisch, für Deutschrock wiederum zu punkig etc. Welche Bands haben euch bei der Gründung von FRUSTKILLER beeinflusst, und wie würdest Du selber eure Musik beschreiben?
Ich finde, deutschsprachiger Punkrock beschreibt es am besten. Wir feiern persönlich ganz unterschiedliche Stile ab. Neben Punkrock, Hardcore und Metal hören wir auch gern Ska, Reggae oder guten HipHop. Und MANOWAR. Und wir trinken Schichtgetränke! Bestimmt hört man diese Einflüsse hier und da mal raus, es ergibt sich einfach, wenn wir zusammen Songs schreiben. Es gibt kein Konzept, das wir verfolgen. Mal wuchtig, mal langsam, mal schnell, mal poppig, mal hart… Wir hätten beispielsweise mit „Treibgut“ auch ganz klar in Richtung „Deutschrock“ gehen können: die Songs etwas rockiger und mehr Pathos in den Texten. Schwupp, haste Deutschrock. Aber solche oder vergleichbare Gedanken gab es nie, weil es belanglos und vorhersehbar ist. Und ganz bestimmt nicht unsere Tasse Tee. Strategisch wär es mit Sicherheit die richtige Zeit dafür gewesen. Es ist irgendwie auch schön, zwischen allen „Stühlen“ zu sitzen. Zugegebenermaßen nicht immer förderlich, um unsere Musik unters Volk zu bringen und den Bekanntheitsgrad zu fördern, aber das spielt eine untergeordnete Rolle. Wir haben „Treibgut“ fast vollständig selbst aufgenommen, hatten für die meiste Zeit ein DIY-Studio für uns ganz allein. So konnten wir uns Zeit lassen, tüfteln und vor allem mit ausreichend Zeit am Gesang und an den Texten schrauben.

Lasst uns auf euer neues Album „Treibgut“ zu sprechen kommen. In unserer Plattenkritik hatte ich bereits auf die verblüffende Ähnlichkeit des Artworks sowie des Albumtitels zur „Treibsand“-LP von DUESENJAEGER hingewiesen, die nur wenige Monate zuvor erschienen ist. Jetzt mal Hand aufs Herz: War diese Ähnlichkeit tatsächlich reiner Zufall?
Ja, absolut. Als wir das in deinem Review gelesen haben, mussten wir selbst erst mal nachschlagen. Wir wussten bis dato nicht, dass DUESENJAEGER eine neue Platte veröffentlicht hatten. Wir haben das Album bereits im September 2015 eingespielt, auch das Cover ist schon lange vor unserer Veröffentlichung fix gewesen. Vielleicht solltest du mal die Jungs von DUESENJAEGER fragen, wie sie zu ihrem Cover und dem Albumtitel gekommen sind… (herzliche Grüße nach Osnabrück/Münster ;-))

Bei den Vorbereitungen für dieses Interview habe ich tief im CD-Regal gekramt und nach längerer Zeit mal wieder euer Debüt-Album „Die Bagger kommen“ angehört, um noch mal einen direkten Vergleich zu haben. Dabei ist mir vor allem aufgefallen, dass ihr damals in euren Texten des Öfteren heftig ausgeteilt habt. So bekamen GTI-Prolls ebenso ihr Fett weg wie Hartmut Engler oder die damals stattfindende Expo. Auf dem neuen Album sucht man solche direkten Texte vergeblich… Hat sich bei euch etwa eine gewisse Altersmilde eingestellt, oder sind euch möglicherweise gar die Feindbilder ausgegangen?
Nein, die Feindbilder sind uns nicht ausgegangen. Dafür gibt es zu viel Mist, der um uns herum passiert. Ganz im Gegenteil, ich finde „Treibgut“ ist musikalisch wie auch textlich direkter und härter als beispielsweise unser Album „Serum“. Wir schimpfen wohl nicht mehr so wie auf „Die Bagger kommen…“, sondern eher anders. Jetzt kommt der Satz, den vermutlich keiner mehr hören kann, wenn er Interviews von langjährig existierenden Bands liest: Wir sind älter geworden und sprechen die Dinge nur anders an. Da ist was dran. „Ein Leben in Angst“ ist, wie ich finde, ein gutes Beispiel dafür. Die sogenannte Flüchtlingsproblematik und die Hetze der besorgten Bürger beschäftigen uns persönlich sehr. Menschlichkeit und Mitgefühl mit denen, die auf der Flucht sind, geht völlig verloren oder wird oftmals nur geheuchelt. Im Grunde genommen können wir uns bei Angela Merkel für ihre Zitate bedanken, die machen diesen Song erst so richtig rund. „Wie es begann“, „Serum“, „Muckerpolizei“ sowie „Zahlemann und Söhne“ schlagen zu anderen Themen in eine vergleichbare Kerbe. Wir haben textlich und musikalisch immer noch was zu vermelden. Und natürlich feiern wir immer noch gerne und ausgiebig. Deswegen gibt’s auch ein Stück darüber. Muss auch mal sein…

Bei „Der Moment“ gibt es auch einen Gastgesang von ZAUNPFAHL-Sänger Goethe zu hören, des Weiteren haben Leute von PIRATENPAPST und KREFTICH Backgroundchöre zum Album beigesteuert. Wie kam es zu dieser Konstellation, beziehungsweise was verbindet euch mit diesen Bands?
Wir wollten ein paar Gastgesänge auf der Platte haben, um das Ganze etwas aufzupeppen. Zaunpfahl kennen wir schon sehr lange und die gemeinsamen Konzerte waren immer super. Deswegen haben wir Goethe angehauen, seine Stimme passt super zu dem Song und dem Text. Als die Jungs dann bei uns in der Gegend während der Studioaufnahmen auf Tour waren, hatten sie PIRATENPAPST mit dabei und haben uns einen Nachmittag im Studio besucht. Da durfte Toni gleich mit ans Mikro. Zu den Jungs von KREFTICH haben wir ein ganz besonderes Verhältnis. Das sind superdufte Typen und musikalisch absolut gleiche Wellenlänge. Wir mögen ihre Musik und die Art, wie sie mehrstimmige Sachen singen, sehr. Die drei haben bei drei Songs Chöre gesungen und sich super viel Mühe gegeben. Darauf sind wir besonders stolz. Und nicht zuletzt brauchten wir für „Manowar“ noch jemanden, der den Part von Eric Adams übernimmt. Ich habe das im Proberaum immer versucht zu singen, und das klang echt furchtbar. Da hat uns unser alter Freund Benny (ehem. Sänger von BAHAYA) im Studio geholfen.

Etwas aus dem Rahmen fällt mit Sicherheit der Track „Männer aus Stahl“. Wie zum Geier kamt ihr auf die Idee, ausgerechnet einen MANOWAR-Tribut-Song zu machen?
Ja, das mag komisch wirken. Zum einen, weil wir MANOWAR mögen. Und der Song musikalisch und textlich einfach so übertrieben klischeehaft und gleichzeitig gut ist. Stell dir das mal aus heutiger Sicht vor: Würde sich heutzutage eine Band in voller Leder- und Spandexmontur auf die Bühne stellen und solche Texte singen? Ganz groß! Die machen ihr Ding. Wir erwarten eigentlich stündlich, dass sich Joey DeMaio meldet und sich für unseren Einsatz für ehrlichen Metal persönlich bedankt.

Zum Ende des Interviews noch die typische Abschlussfrage: Was steht als nächstes an im Hause FRUSTKILLER?

„Treibgut“ bewerben und endlich wieder mehr Konzerte spielen. Konzertveranstalter dürfen sich gerne melden. Wir haben Bock, auf Reisen zu gehen. Und noch mehr Menschen für Schichtgetränke begeistern. Danke für das Interview und besorgt euch das Album!

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