CALEXICO – Seasonal shift

Letztens hörte ich einen Beitrag im Radio, in dem die Hörer ermahnt wurden, auf ein geselliges Familienfest am Heiligabend doch zu verzichten, wenn man die Coronazahlen nicht unnötig in die Höhe schnellen lassen möchte. Kurz zuvor las ich, dass man in diesem Jahr darüber nachdenke, die eh unnötige Silvesterböllerei zu verhindern, um Intensivbetten freizuhalten. Beides sicherlich sinnvolle Maßnahmen, und wenn man sich daran erinnert, dass der alljährliche Weihnachtsstress eh regelmäßig zu unschönen Familienstreitigkeiten führt, ist dies doch eine gute und logische Begründung, warum man 2020 auf eine großfamiliäre Zusammenkunft verzichten möchte.
Doch wie lässt sich gleichzeitig verhindern, dass der Weihnachtssegen bereits vorab schief hängt? Zum Beispiel mit dem glückseligen „Seasonal shift“-Album von CALEXICO, auf dem sie in ihrer gewohnten Mariachi-Manier mehr oder weniger bekannten Weihnachtsliedern, mexikanischen Folk-Klassikern und portugiesischem Fado einen neuen, lateinamerikanischen Anstrich verpassen. Neben Coversongs von TOM PETTY und einer CALEXICO-artigen Version des BEATLES-Klassikers „Happy Xmas (War is over)“, hier unterstützt durch Hörner und Pedal Steel, finden sich auf „Seasonal shift“ auch die diversesten Kollaborationen. „My burrito sabanero“, zusammen mit GABY MORENO, klingt beispielsweise wie ein kubanisches Kinderlied, während auf „Sonoran Snoball“ (mit CAMILLO LARA) der Gesang über ein Kinder-Walkie Talkie gejagt wurde und der eigene Song „Nature’s domain“ den Hörer in eine tieftraurige Stimmung versetzt. Das Besondere an diesem Album ist nicht nur die Vielfalt der eingeschlagenen musikalischen Stile, sondern auch die unterschiedliche Instrumentierung, mit der hier gearbeitet wurde. Mal ganz reduziert und eher lo-fi in der Garage aufgenommen („Peace of mind“), mal ganz opulent mit Streichorchester und Chor, wie in dem Opener „Hear the bells“. Ein wirklich abwechslungsreiches Album, das ein Sammelsurium an tollen Stücken bietet. Wenn damit das Weihnachtsfest nicht gerettet ist, wissen wir auch nicht weiter.

Bewertung: 8/10

Veröffentlichungsdatum: 04.12.2020