BOOZE & GLORY – 21.11.2019, Knust (Hamburg)

Das erste BOOZE & GLORY-Album „Always on the wrong side“ schlug bei mir damals ein wie eine Bombe. Klassische Oi-Musik, gepackt in ein modernes Gewand. Hoch melodisch und eingängig zu gleich. Aggressive Kante, ohne holpernd rüberzukommen. Genau in dieser Nische haben sie sich dann über Jahre bewegt und, wie ich finde, auch weiterentwickelt. Unzählige Male habe ich dann BOOZE & GLORY auf Festivals gesehen und jedes Mal abgefeiert. Kurioserweise war mein erstes Solo-Konzert dann erst im Hamburger Monkeys Music Club am 13. April 2017 – ganze sieben Jahre nach dem Debütalbum. Eigene Club-Konzerte sind nun mal was anderes. Zurückblickend war dieses Konzert eigentlich eines der besten Konzerte, die ich bislang im Monkeys gesehen habe. Umso neugieriger war ich auf dieses Konzert. THE ANALOGS machten den Anfang. Da Sänger Mark von BOOZE & GLORY auch aus Polen stammt, hat er sich seine Landesgenossen gleich mal mit auf diese ausgiebige Europa-Tour genommen. Innerhalb eines Monats werden 28 Shows abgerissen, stolzes Brett. THE ANALOGS spielten das Set recht schnell runter, keine halbe Stunde, ein „Crucified for our sins“-Cover und fertig war’s. Leider ein recht durchschnittlicher Auftritt. Wahrscheinlich hatten sie im Hinterkopf, was in den nächsten Wochen noch an Tour-Strapazen so ansteht. GIUDA kannte ich leider nur vom Namen, aber was die Italiener hier ablieferten war schon allererste Sahne. War echt eine Wonne zu beobachten, wie GIUDA ihr Ding durchziehen. Glam-Punk-Rock im Champions-League-Format, unbedarft und absolut charismatisch und authentisch vorgetragen. Es wird Zeit für einen Albumkauf. Am 18. Oktober 2019 haben BOOZE & GLORY ihr neues Studioalbum „Hurricane“ veröffentlicht, erstmalig auf dem bandeigenem Label Scarlet Teddy Records. Gehört habe ich es noch nicht, was der Vorfreude aber keinen Abbruch tat. Eine Seifenblasenmaschine stellte den Bezug zum Londoner Fußball-Club West Ham United her, „I’m forever blowing bubbles“ war das Motto und wirkte irgendwie ganz witzig. Bin gespannt ob das die COCKNEY REJECTS auch bald so übernehmen werden. Einige nehmen BOOZE & GLORY die Weiterentwicklung nicht so wirklich ab. Zur musikalischen Weiterentwicklung scheint jetzt auch ein Keyboarder zu gehören, der, wie ich finde, anfangs noch etwas wie ein „kleiner Fremdkörper“ wirkte. Bei den mir unbekannten Songs wirkte das alles auf mich schon stimmiger. Scheint so, als wenn man sich schnell dran gewöhnt. Auch als Teil des Stilwechsels von BOOZE & GLORY gehört anscheinend, dass die Band was zu sagen hat. Es folgte eine klare Ansage gegen Rassismus mit dem Hinweis, dass man zwar als unpolitische Band angefangen habe, mittlerweile aber, aufgrund vieler gesellschaftlicher Veränderungen, auch politische Inhalte vermitteln möchte. Die Dichte an Songs von den ersten beiden Alben werden somit natürlich geringer. Was zur Folge hatte, dass meine persönlichen Überhits wie “Our passion” und “Trouble free” leider fehlten. Es wird Zeit für mich, das neue Album zu entdecken, um mich nach Alternativen umzusehen. Ich werde BOOZE & GLORY weiterhin auf ihrem Wege begleiten, verdient haben sie es.

Fotos: Christian Berg (instagram.com/herrbergfotografiert)

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