ALL THE LUCK IN THE WORLD – Von Dublin nach Berlin mit 190 Spuren

Am 23. Februar erschien mit „A blind arcade“ das zweite Album von ALL THE LUCK IN THE WORLD, das am selben Tag mit einem Konzert in der Hafencity in akustischer Form promotet wurde. Bereits zwei Monate später ließen sich die Wahl-Berliner erneut in der Hansestadt blicken – diesmal im Rahmen einer Tour mit einem verstärkten Konzert im Molotow.
Es läuft ziemlich gut bei ALL THE LUCK IN THE WORLD: bereits im Vorfeld der Tour waren sieben von neun Konzerten restlos ausverkauft. So trafen wir uns vor ihrem Konzert auf der Reeperbahn mit Sänger/Gitarrist Neil und Keyboarder/Bassist Ben, um über die letzten Monate zu sprechen.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, mit der Band von Irland nach Berlin zu ziehen?
Wir haben das College im Mai 2017 abgeschlossen und hatten das Gefühl, dass wir die Umgebung mal wechseln müssten. Außerdem haben wir dort unsere beiden ersten Alben aufgenommen, mochten die Stadt sehr gerne, und zudem ist das Leben in Berlin günstiger als in Dublin.

Vermisst Ihr das gute Guinness?
Es gibt dort eine gute Bar mit Guinness. Ich trinke das Bier nach wie vor sehr gerne.

Ihr seid also nach Berlin gezogen, habt dort ein eigenes Label gegründet und Euer neues Album selbst veröffentlicht.
Es stimmt, wir haben das Album selbst veröffentlicht. Als wir das Album fertig produziert hatten, sprachen wir zwar mit verschiedenen Labels, aber diese Gespräche ergaben keinen Sinn. Wir wollten die Rechte bei uns behalten, und zudem muss man für jedes Extra der Labels zusätzliches Geld zahlen.

Songwriting, Artwork, Veröffentlichung – die Band ist also inzwischen zu einem Full Time-Job geworden, oder?
Irgendwie schon. Wir mögen die Dinge einfach nicht gerne aus der Hand geben.

Und welcher Part an dem Ganzen gefällt Euch am besten?
Neil: Ich mag am liebsten Songs schreiben und aufnehmen.
Ben: Ich finde alles toll. Das Tourleben, das Songwriting…

Bei Eurem Release-Konzert in der Hafencity sagtet Ihr, dass die Veröffentlichung recht lange gedauert habe und sich „A blind arcade“ für Euch überhaupt nicht mehr neu anfühlt. Wieso hat das Release so lange auf sich warten lassen?
Das hing mit dem College-Abschluss und der Neuorientierung in Berlin zusammen. Und wir wussten anfangs nicht, wie wir das Album am besten veröffentlichen sollten. Nach den Labelgesprächen saßen wir zwar auf einem fertigen Album, aber die nachfolgenden Schritte waren ja völlig neu für uns.

Wie ist Euer Eindruck, wo nun die ersten Rezensionen zurückkommen, ein paar Konzerte gespielt sind und Ihr Feedback bekommen habt?
Insgesamt sind wir sehr glücklich. Wir haben in den vergangenen vier Jahren viel dazugelernt. Die Singles laufen ganz gut, aber vielleicht muss man sich in der Zukunft trotzdem mit alternativen Veröffentlichungsmöglichkeiten befassen.

Habt Ihr in der Zwischenzeit denn schon Songs für ein drittes Album geschrieben?
Ja, aber wir müssen mal schauen, in welche Richtung das Album geht und ob sie dann noch passen.

Meiner Meinung schließt „A blind arcade“ hervorragend an Euer Debüt an, allerdings wurden hier die Feinheiten an den Instrumenten mehr ausgearbeitet. Würdet Ihr zustimmen?
Das trifft es ganz gut. Auf dem ersten Album wurde vieles überstürzt aufgenommen, aber auf diesem Album sind wir im Songwriting und in der Aufnahme präziser vorgegangen. Bei einigen Songs existieren bis zu 190 Spuren. Die sind natürlich nicht mit allen Instrumenten gleichzeitig aufgenommen worden (einige Spuren wurden gedoppelt oder getripelt), zum Teil haben wir es vielleicht auch ein wenig übertrieben. Aber wir wollten das Instrumentarium, das uns zur Verfügung stand, optimal ausnutzen, ohne einen riesigen Orchestersound aufzufahren. So konnte man sich am Ende entscheiden, welche Instrumente an welcher Stelle am besten passen.

Könntet Ihr Euch vorstellen, eines Tages mit einem großen Orchester zum Beispiel in der Elbphilharmonie aufzutreten?
Das wäre großartig. Wir hatten schon mal einen Auftritt auf dem Kaltern Pop-Festival zusammen mit dem Stargaze-Kammer-Ensemble. Das war beeindruckend, und das würden wir gerne mal wieder machen.

Wie ist eigentlich der Werbespot für trivago mit Eurem Song „Never“ zustande gekommen?
Der Typ, der den Videospot gemacht hat, fand die ursprüngliche Version des Songs im Netz und mochte ihn. Das war noch eine sehr schlichte Home-Recording-Aufnahme, aber so kam er auf uns zu und fragte uns.

Denkt Ihr, dass dieser Videospot dazu beigetragen hat, dass Ihr so schnell so populär geworden seid?
Ich kann das nicht verneinen. Das war schon eine große Sache, die die Produktion unseres Albums mitfinanziert hat.

Ganz so schlau wird man jedoch nicht, wer nun zu Eurer Band fest dazugehört. Mal werden drei Personen genannt, mal vier. Live seid Ihr jedoch zu fünft.
Ben: Hauptsächlich schreiben Neil, Kelvin und ich die Musik und nehmen sie auch auf. Kelvin gestaltet auch das Artwork. Live gehören Peter (Drums) und Hugh (Geige) jedoch genauso zur Band dazu. Aber bandinterne Entscheidungen treffen wir zu dritt.

Vielen Dank für das Interview und viel Spaß heute Abend im Molotow!