APPARAT – 18.04.2019, Kampnagel (Hamburg)

Foto: Anja Köster

Eröffnet wurde der Abend mit sphärischen, kühlen Klängen und einer elfenhaften Stimme aus dem Off. Die Beleuchtung so minimal, dass man auf der Bühne nur Umrisse erkennen konnte, ansonsten passierte dort minutenlang nichts. Bis irgendwann ein kleiner Gnom erkennbar war. Stand KÁRRYN schon die ganze Zeit dort, oder hat sie sich soeben unbemerkt dorthin geschlichen?
Die syrisch-armenisch-amerikanische Komponistin und Sängerin hat ihr Debütalbum erst kürzlich auf Mute Records veröffentlicht und verarbeitet dort den Armenien-Krieg in musikalischer Form. Wüsste man dies nicht, könnte man KÁRRYN auch in Island verorten, ganz in der Nähe von BJÖRKs Debüt-Album. Ein stimmungsvoller Einstieg ist ihr mit einer beeindruckenden Stimme und elektronischen Sounds, die zwischen Melodie und Experimentierkasten schwankten, allemal gelungen.
Nicht weniger ergreifend ging es mit APPARAT weiter, dem elektronisch-akustischen Projekt von Sascha Ring, mit dem er erst im März sein fünftes Album veröffentlichte. Dies verwundert doch ein wenig: zum einen hatte man seit 2011 (den Theater-Soundtrack „Krieg und Frieden“ nicht mitgerechnet) nichts mehr von APPARAT vernommen, zum anderen erschien erst einen Monat zuvor ein neues Album von MODESEKTOR, der anderen Hälfte von MODERAT, die wiederum das Zweitprojekt von Sascha Ring darstellen. Dabei überraschte „V“ vor allem durch den verstärkten Einsatz klassischer Instrumente (Streicher, Bläser, Piano), die auch auf Kampnagel ihren Einsatz fanden und für eine tolle Verbindung zwischen digitalen Sounds und analogen Klängen sorgten und die kompositorischen Fähigkeiten Rings ein weiteres Mal unterstrichen. Dabei sorgte die Opulenz in den Instrumenten aber keineswegs für einen zu dichten Sound – eher im Gegenteil wurden die einzelnen Spuren so akzentuiert gesetzt und gekonnt geschichtet, dass es Ring mit APPARAT gelingt, eine einzigartige Dramaturgie zu erzeugen und zugleich leicht und aufgeräumt zu klingen. Darüber gesellt sich sein glasklarer Gesang, der in seiner Brillanz ein wenig an Ben Gibbard von DEATH CAB FOR CUTIE erinnert. Ob das Gesamtwerk nun als die Zukunft der Neoklassik oder Neuausrichtung der Elektronik betrachtet wird, steht dem Hörer frei. Zum Schweifenlassen der Gedanken eignet sich die zarte Musik von APPARAT hervorragend.

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